Dann war das Denkmal weg!

Veröffentlicht am 13.08.2020 in Kommunalpolitik

Jörg Nürnberger berichtet von der Gemeinderatssitzung:

Dann war das Denkmal weg!

2020 ist es in ganz Europa 100 Jahre her, dass an vielen Orten Denkmäler für die Gefallenen des ersten Weltkriegs errichtet wurden. Die jungen Männer fielen für Zar, Kaiser oder Könige.

Bei unserer Radtour mit meinem Sohn die letzten Tage kamen wir z.B. in der Gemeinde Hlavno bei Sokolov an einem solchen Denkmal vorbei, das den Soldaten gedenkt, die für den österreichischen Kaiser gefallen sind (linkes Bild). Es steht seit 100 Jahren am gleichen Ort. Dort hat es die erste tschechoslowakische Republik und die Nazizeit gestanden. Nicht einmal nach der Vertreibung der Deutschen haben es die Kommunisten 43 Jahre lang  gewagt, dieses Denkmal zu schleifen.

Es steht auch heute noch dort.

Dann kommst du am nächsten Tag in die Heimatgemeinde, wo es an vier Orten solche Gedenkorte gibt - in Vordorf (erst ein paar Jahre), in Leupoldsdorf, in Tröstau auf dem Friedhof  (mit ganz neuen Namenstafeln) und in Grötschenreuth. Das letztgenannte Denkmal kennen nicht alle, aber die Grötschenreuther Bürger haben 1920 diesen Ort gewählt und es auf Privatgrund errichtet. Vor einigen Jahren hat die Gemeinde den Grund erworben, um das Denkmal dauerhaft zu sichern.

Doch dieses Denkmal in Grötschenreuth war gestern nach ebenfalls 100 Jahren nicht mehr an seinem Ort am Ortseingang an der alten Straße von Wunsiedel nach Kemnath.

Der Bürgermeister ließ es eigenmächtig - ohne den Gemeinderat zu fragen - versetzen. Es steht jetzt auf einem verfüllten gemeindlichen Kartoffelkeller neben einer Sitzbank zum Brotzeitmachen für Wanderer.

Für die SPD Gemeinderäte zeigt diese Entscheidung des Bürgermeisters den mangelnden Respekt vor einem altehrwürdigen Denkmal, der Ortswahl der Altvorderen und vor der gewählten Vertretung der Gemeindebürgerinnen dem Gemeinderat.

Die Entscheidung  über den Standort für ein Denkmal ist kein laufendes Geschäft, sondern eine derart wichtige Entscheidung, dass der Gemeinderat damit befasst werden musste. Zumal der Gemeinderat neulich auf Vorschlag des Bürgermeisters auch schon über die Platzierung von Spielgeräten auf dem Spielplatz Bergwiesen entschieden hat. Bei einer Schaukel hat er den Gemeinderat gefragt, bei einem Denkmal nicht...

Solche Eigenmächtigkeiten sind nicht gut für das Miteinander in der Gemeinde.

 

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